Paul Hindemith


17.11.1895 - 28.12.1963
Beschreibung Premieren

Beschreibung

Paul Hindemith (* 16. November 1895 in Hanau; ÔÇá 28. Dezember 1963 in Frankfurt am Main) war ein bedeutender deutscher Komponist der Moderne (Neue Musik) und Bratschist.

Bedeutung

Paul Hindemith geh├Ârte neben Arnold Sch├Ânberg und Igor Strawinski zu den wichtigsten Repr├Ąsentanten der ernsten Musik des 20. Jahrhunderts. Er legte Grundlagen f├╝r eine ├ľffnung dieser Musik nach au├čen, weg vom klassischen Konzertpublikum, unter anderem zum Jazz. Er pl├Ądierte f├╝r ÔÇ×GebrauchsmusikÔÇť und sah es als Pflicht des Komponisten an, sich sozialen Herausforderungen zu stellen und nicht zum reinen Selbstzweck zu komponieren. Hindemith wandte sich gegen eine Romantisierung der Musik und sah den Komponisten und Musiker mehr als Handwerker, denn als K├╝nstler. Seine musiktheoretischen Werke zeigen eine starke Affinit├Ąt zu den Naturwissenschaften. Wegen seiner sozialkritischen Musik geriet Hindemith in Konflikt mit den Nationalsozialisten, wanderte in die USA aus und gelangte zu Weltruhm.

Leben

Hindemith entstammte einer Arbeiterfamilie. Seine fr├╝he Kindheit verbrachte er in Rodenbach bei Hanau. Vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr lebte Paul Hindemith bei seinen Gro├čeltern Hindemith in Naumburg am Queis in Schlesien. Im Jahr 1900 zog die Familie nach M├╝hlheim am Main, wo Paul seine Grundschulzeit absolvierte und seinen ersten Geigenunterricht erhielt. 1905 zog er mit seiner Familie nach Frankfurt am Main; dort beendete er im Alter von 14 Jahren die Volksschule.

Die famili├Ąren Wurzeln liegen in Schlesien. Er entstammt einer alteingesessenen schlesischen Familie von Kaufleuten und Handwerkern aus den Kreisen Jauer und Lauban. Sein Vater Rudolf wurde 1870 im schlesischen Naumburg am Queis geboren. Er verlie├č als junger Mann seine Heimat und siedelte sich um 1890 in Hanau an, wo er als Anstreicher arbeitete. Der Vater lie├č seine drei Kinder, den 1895 geborenen Paul, die 1898 geborene Schwester Antonie (Toni) und den 1900 geborenen Bruder Rudolf seit fr├╝hester Kindheit musikalisch unterrichten und sie unter dem Namen ÔÇ×Frankfurter KindertrioÔÇť auftreten. Er gab ihnen die Ausbildung, die ihm selbst trotz musikalischer Veranlagung verwehrt geblieben war. Der Sohn Rudolf Hindemith, der sehr fr├╝h als Cellist Anerkennung fand, ergriff sp├Ąter ebenfalls den Beruf des Dirigenten und Komponisten, stand aber im Schatten seines ber├╝hmten Bruders Paul. Der Vater meldete sich, trotz seines fortgeschrittenen Lebensalters von 44 Jahren, 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges als Kriegsfreiwilliger. Er fiel im September 1915 in der Herbstschlacht bei Souain-Perthes in der Champagne als Infanterist im Nahkampf.

Kindheit und Konkurrenz zweier Br├╝der

Als Kinder waren die beiden hochmusikalischen Br├╝der Paul und Rudolf (1900ÔÇô1974) das Aush├Ąngeschild der Familie; in ihrer Jugend begannen sie, auch professionell zusammen zu musizieren: im Amar-Quartett (einer der f├╝hrenden Gruppen in der ÔÇ×Neue MusikÔÇť-Szene der Zwanziger Jahre). Der j├╝ngere Rudolf (Cello) stieg aber bald aus, weil er sich oft hinter Paul zur├╝ckgesetzt sah, wechselte ins Genre von Blasmusik und Jazz und blieb im Gegensatz zu Paul als Dirigent in Deutschland.

Musikalischer Werdegang

Paul lernte seit dem neunten Lebensjahr Violine. Nach einer Empfehlung seiner Violinlehrerin (Anna Hegner) besuchte er ab 1908 das HochÔÇÖsche Konservatorium. Neben der Perfektion in Violine (mit Adolf Rebner) erhielt er auch eine Komponisten-Ausbildung bei Arnold Mendelssohn und Bernhard Sekles.

Von 1915 bis 1923 hatte er die Stelle des Konzertmeisters an der Frankfurter Opernb├╝hne inne. Hindemith wurde im Ersten Weltkrieg am 16. Januar 1918 als Milit├Ąrmusiker eines Infanterie-Regiments ins Elsa├č verlegt. Ab April war seine Einheit in Nordfrankreich und Belgien stationiert, wo Hindemith die Gr├Ąuel des Krieges erlebte. Am 8. Dezember 1918 wurde er aus dem Milit├Ąrdienst entlassen. Im 1922 gegr├╝ndeten Frankfurter Amar-Quartett spielte er zun├Ąchst 2. Violine, sp├Ąter Bratsche. 1923 erf├╝llte Hindemith den Wunsch des Pianisten Paul Wittgenstein nach einem Klavierkonzert f├╝r die linke Hand. Der Pianist f├╝hrte das Werk jedoch nicht auf. Erst ├╝ber 80 Jahre sp├Ąter folgte 2004 nach der ├╝berraschenden Entdeckung der Partitur 2002 die Urauff├╝hrung bei den Berliner Philharmonikern.

Zu Hindemiths Lieblingspianisten geh├Ârte damals die Ehefrau des Frankfurter Kunsthistorikers Fried L├╝bbecke, Emma L├╝bbecke-Job, die schon 1918 mit dem Rebner-Quartett (s.o.) sein Quintett e-Moll (Opus 7) aufgef├╝hrt hatte; ihr widmete er 1924 seine Kammermusik No. 2 (Opus 36). In jenem Jahr heiratete er auch die Musikerin Gertrud Rottenberg, Tochter des Kapellmeisters des Frankfurter Opernorchesters Ludwig Rottenberg und Enkelin des ehemaligen Frankfurter Oberb├╝rgermeisters Franz Adickes.

Durch seinen Freund und Schwager, den Rundfunkpionier und damaligen Leiter des Frankfurter Senders Hans Flesch kam Hindemith ab 1924 mit dem neuen Medium in Ber├╝hrung. Auf Initiative Fleschs entstanden in der Folge etliche Auftragswerke f├╝r den Rundfunk, unter anderem 1929 das musikalische H├Ârbild der ÔÇ×Flug der LindberghsÔÇť, eine Gemeinschaftsproduktion mit Kurt Weill und Bertolt Brecht. Die Berliner Hochschule f├╝r Musik berief Hindemith 1927 zum Professor f├╝r Komposition. Ab 1929 lehrte Hindemith ├╝berdies an der 1927 gegr├╝ndeten Musikschule Neuk├Âlln.

Zwischenzeitlich wurden mehrere seiner Werke bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgef├╝hrt. Als dort 1921 Hindemiths "3. Streichquartett Opus 16" durch das Amar-Quartett uraufgef├╝hrt wurde, brachte ihm das mit kaum drei├čig Jahren den Ruf des einflussreichsten und geachtetsten modernen Musikers Europas ein. Die Kammermusiktage leitete er in den Jahren 1923 bis 1930 zusammen mit Heinrich Burkard und Joseph Haas k├╝nstlerisch und machte sie zu einem der wichtigsten Foren neuer Musik. Seit dieser Zeit war Hindemith einer der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Richtungsweiser zeitgen├Âssischer Musik in Deutschland.

 Ungewohnte Musik

So klingen beispielsweise viele seiner Chorwerke und Lieder bis heute rau und ungewohnt und sind ÔÇô etwa f├╝r S├Ąngerknaben ÔÇô eine interessante Herausforderung. Auch die von ihm gew├Ąhlten Textvorlagen, unter denen sich neben Luther viele christliche Dichter befinden, erregten im aufsteigenden Nationalsozialismus Ablehnung. Der ├╝berwiegende Teil seiner nahezu 100 Klavierlieder blieb bis heute von den Interpreten unentdeckt.

Hindemiths (eher kurzfristiges) Interesse f├╝r die neuen, sich in ersten Entwicklungsstufen befindlichen elektrischen Instrumente f├Ąllt in diese Zeit. Erstmals 1926 in Donaueschingen mit J├Ârg Mager konfrontiert, interessierte er sich vor allem f├╝r die Entwicklung des Trautoniums und regte die Erstpr├Ąsentation 1930 in Berlin an. Sein Interesse begleitete die Entwicklung bis zu seinem 40. Geburtstag, an dem seine dritte (und letzte) Komposition f├╝r dieses Instrument erstmals durch Oskar Sala aufgef├╝hrt wurde.

Konfrontation mit dem Dritten Reich

In den 1930er Jahren verlagerte Hindemith seine musikalischen Aktivit├Ąten als Bratscher zunehmend ins europ├Ąische Ausland, Konzertreisen f├╝hrten ihn auch in die USA. Von der NSDAP wurde seine Arbeit mehr und mehr behindert. NS-Anh├Ąnger bezweifelten nicht das musikalische K├Ânnen von Hindemith als ÔÇ×gro├čem Mann seiner ZeitÔÇť, agitierten aber gegen seine ÔÇ×untragbare GesinnungÔÇť. Adolf Hitler hatte sich schon 1929 ├╝ber das f├╝nfte Bild der Oper "Neues vom Tage"┬á aufgeregt. Teile seiner Werke wurden unter dem Verdikt des ÔÇ×KulturbolschewismusÔÇť oder als ÔÇ×Entartete KunstÔÇť aus den Programmen entfernt. Bereits 1934 erhielten seine Werke ein Sendeverbot im deutschen Rundfunk. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels bezeichnete ihn im selben Jahr ├Âffentlich als ÔÇ×atonalen Ger├ĄuschemacherÔÇť. Wilhelm Furtw├Ąngler machte 1934 auf publizistische Weise auf die Situation Hindemiths aufmerksam, erntete aber von Goebbels nur Hohn. Zum Zeichen seiner Solidarit├Ąt mit den Verfolgten des Regimes spielte Hindemith an Heiligabend 1933 im Berliner Untersuchungsgef├Ąngnis Moabit, wo zu jener Zeit unter anderem sein Schwager Hans Flesch einsa├č, auf der Bratsche St├╝cke von Bach.

1935 ging Hindemith unter Protest seiner Studenten im Auftrag der deutschen Reichsregierung in die T├╝rkei, um das Konservatorium von Ankara aufzubauen. Von seiner Stelle hatte er sich beurlauben lassen. Ab 1936 wurde die Auff├╝hrung seiner Werke verboten, was ihn dazu veranlasste, seine Stellung 1937 zu k├╝ndigen. H├Âhepunkt der Konfrontation mit dem NS-System war 1938 die Ausstellung Entartete Musik der Nationalsozialisten. Darin wurde ausdr├╝cklich auf die j├╝dische Abstammung seiner Ehefrau Gertrud verwiesen.

Emigration und R├╝ckkehr

1938 gingen er und seine Frau ins Exil, zun├Ąchst in die Schweiz. Das Ehepaar verlie├č das Land 1940 wieder, um in den USA Exil zu nehmen. Sie siedelten sich in New Haven (Connecticut) an, wo Hindemith eine Lehrt├Ątigkeit an der Universit├Ąt Yale aufnahm und bis 1953 lehrte. 1946 erhielt er die amerikanische Staatsb├╝rgerschaft.

Ende der 1940er Jahre machte Hindemith Karriere als Dirigent, vorwiegend f├╝r klassische Musik. Weltweite Tourneen lie├čen ihn in musikalischen Zentren auftreten, wie bei den Wiener und Berliner Philharmonikern.

Bereits 1950 nahm Hindemith die Ehrendoktorw├╝rde der Freien Universit├Ąt Berlin an, au├čerdem wurde er Ehrenmitglied der Wiener Konzerthausgesellschaft. 1953 siedelte er wieder zur├╝ck in die Schweiz und lebte in seiner Villa La Chance in Blonay im Bezirk Vevey am Genfersee. Abwechselnd mit Yale lehrte Hindemith ab 1951 auch in Z├╝rich, wo ein Lehrstuhl f├╝r ihn eingerichtet wurde. 1957 beendete er seine Lehrt├Ątigkeit und ging dann seinen eigenen musikalischen Weg als Komponist und Dirigent. Er widmete sich mehr dem Dirigieren und ging auf Tourneen nach Asien und in die USA.

1951 erhielt Hindemith den Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg, 1955 wurde er mit der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main geehrt und mit dem Wihuri-Sibelius-Preis ausgezeichnet. 1962 bekam er den Balzan-Preis f├╝r Musik.

1963 starb Paul Hindemith in einem Krankenhaus in Frankfurt am Main an einer Bauchspeicheldr├╝senentz├╝ndung.

Quelle: www.wikipedia.org


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