1
Ein Rechercheprojekt zu Euripides’ „Die Troerinnen“
Der Krieg ist vorbei. Die Schlacht ist geschlagen, die Mission erfüllt, der Sold ausgezahlt. Sie kehren in die Heimat zurück, zu Frau und Kindern. Doch in den Köpfen der Soldaten und in ihren Familien ist der Krieg noch lange nicht beendet. In seinem Stück „Die Troerinnen“ stellt Euripides 415 v. Chr. die Frage, welche Auswirkungen die Erfahrung des Krieges auf die Beteiligten haben. Er richtet den Blick nicht auf die Helden Achill und Odysseus, sondern schildert, wie die Frauen und Angehörigen versuchen, mit dem Krieg fertig zu werden. Spätestens seit dem Selbstmordanschlag auf einen Bus mit deutschen Soldaten in Afghanistan 2003 müssen auch die Familien in Deutschland wieder mit der Angst leben, dass ihre Angehörigen traumatisiert oder gar im Zinksarg zurückkehren. Nach der Rückkehr ist vieles nicht mehr wie zuvor. Der Krieg ist in den Familien angekommen, unsichtbar hinter Reihenhausfassaden und gepflegten Vorgärten. Ein ferner Krieg, der nahe rückt.
Das Berliner Performance- und Theaterkollektiv „lunatics produktion“ entwickelt seine Stücke stets selbst. Ausgangspunkt sind umfangreiche Recherchen, Interviews und Archivarbeit. Erst aufgrund dieser Forschungen entstehen Texte, Spielregeln und Gestalt der Aufführung. Nach Statisten des Skandals zur Barschel-Affäre arbeitet „lunatiks produktion“ nun zum zweiten mal für das Schauspiel Kiel. Ausgehend vom antiken Theaterstück „Die Troerinnen“ recherchiert das neue Projekt, welche Veränderungen und Verletzungen die Erfahrung des Krieges bei deutschen Soldaten und ihren Angehörigen hinterlassen.
empfehlen