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Komische Oper in drei Akten nach August von Kotzebue
Es ist ein Lustspiel des – zumindest während des 19. Jahrhunderts – berühmtesten Weimarer Dichters, das Albert Lortzing zu seiner komischen Oper Der Wildschütz inspirierte. August von Kotzebue wurde 1761 in Weimar geboren (und ist damit der einzige der berühmten Weimarer Schriftsteller, der tatsächlich hier herstammt), lebte jedoch als Erwachsener insgesamt nur wenige Jahre in der Dichterstadt, da er mit Goethe zerstritten war. Er schuf über zweihundertundzwanzig Theaterstücke; über achtzig davon wurden allein zu Lebzeiten Goethes (auch während seiner Intendanz) in Weimar auf die Bühne gebracht. Kotzebues Popularität in Deutschland war beispiellos, in ganz Europa wurden seine Werke aufgeführt. In einer Liste der meistgespielten Schauspielautoren des Mannheimer Hof- und Nationaltheaters für den Zeitraum von 1779 bis 1870, also für annähernd ein Jahrhundert, steht Kotzebue mit 1.870 Aufführungen an erster Stelle, weit vor Schiller mit 486 und Iffland mit 463 Vorstellungen, während Goethe erst an vierzehnter Stelle mit 181 Aufführungen erscheint. (Jörg F. Meyer) Das Lustspiel Der Rehbock wurde 1815 in Leipzig uraufgeführt. Albert Lortzing fügte für seine Oper einige Szenen hinzu und bereicherte den Stoff durch tagesaktuelle, satirische Anspielungen. Die Sophokles-Verehrung der Gräfin beispielsweise spiegelt die Graecomanie des Leipziger Bürgertums wieder, die im Anschluss an eine Aufführung von Mendelssohns Antigone-Schauspielmusik im Jahr 1842 ausgebrochen war.
Lortzings Wahl des Untertitels Der Wildschütz oder Die Stimme der Natur weist jedoch ganz unmittelbar auf die Tiefen des Stoffes hin, die seiner komischer Oper neben aller leichtfüßigen Unterhaltungsabsicht wirkliche Brisanz verleihen. Selten gibt es einen Opernstoff des 19. Jahrhunderts, in dem derart virtuos und hemmungslos erotische Beziehungen über alle Standes- und Geschlechtsgrenzen hinweg angestrebt werden.
In der schillernden Rolle der Baronin kulminiert die amouröse Verwirrung: In ihrer eigenen Person gibt sie sich desinteressiert und abweisend; in ihrer ersten Verkleidung als junger Mann erregt sie sofort die Leidenschaft aller Frauen des Stücks; als sie sich wieder als Bäuerin zurück verkleidet, fallen die Adligen über sie her. Die Verwicklungen sind so turbulent, dass der Schlusssatz der Gräfin aus Kotzebues Stück wirklich aus echter Not zu kommen scheint: Wir verdanken die Erhaltung unserer Grundsätze bloß dem Glücke. – Im Jahr des Wiener Kongresses in den Mund einer Adligen gelegt, ist das ein Satz, der echte historische Brisanz hat.
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