der feurige engel

Premiere

Datum:
04.12.2010 
Institution:

Deutsches Nationaltheater & Staatskapelle Weimar (DNT)
Location:
Großes Haus
Ort:
Weimar
 (Thüringen)
, Deutschland

Um für diesen Event Mediendateien zuzuordnen, melden Sie sich bitte als Institution "Deutsches Nationaltheater & Staatskapelle Weimar (DNT)" an.

Beschreibung Kritiken Produktionsteam Mitwirkende

Beschreibung

Oper in fünf Akten

Die Musik in Sergej Prokofjews großer Oper Der feurige Engel öffnet Welten. Kaum eine Partitur des frühen 20. Jahrhunderts ist so reich an Farben, Einfällen und einzigartigen musiktheatralischen Situationen. Prokofjews Tonsprache elektrisiert und lässt den Zuhörer staunen. Der russische Komponist arbeitete von 1919 bis 1927 an seiner Oper, obwohl er keinen Auftrag eines Opernhauses hatte. 1928 arbeitete er Teile des Werkes zu seiner Dritten Symphonie um. Die Oper wurde tatsächlich erst nach Prokofjews Tod uraufgeführt, konzertant in Paris 1954 und szenisch im Jahr 1955 am Teatro La Fenice, Venedig. Die Handlung spielt in der Umgebung Kölns um das Jahr 1534. Der Ritter Ruprecht verfällt Renata, die sich von Dämonen verfolgt fühlt. Sie visioniert einen feurigen Engel, Madiel, dem sie sich erotisch hinzugeben bereit ist. Ruprecht und Renata ziehen gemeinsam durch das Zeitalter der Gegenreformation, studieren Schriften der schwarzen Magie, begegnen dem Alchemisten Agrippa von Nettesheim, treffen gar auf Faust und Mephisto. Das Geschehen eskaliert, als Renata glaubt, im Grafen Heinrich den feurigen Engel gefunden zu haben. Sie bringt Ruprecht dazu, den Grafen zum Zweikampf zu fordern. Ruprecht wird schwer verwundet. Renata sucht schließlich in einem Kloster Ruhe. Doch auch dort lassen ihre erotischen Visionen nicht nach. Vom Großinquisitor wird sie zum Tode verurteilt. Prokofjews Meisterwerk bietet viel mehr als nur eine historische Milieuschilderung der Zeit um 1534. Die physisch überaus anstrengende Rolle der Renata ist eine faszinierende, frühe psychologische Fallstudie. Durch die schonungslose Darstellung Renatas als erniedrigte und geschundene Kreatur, die sich wütend und hilflos den Kopf an der Gesellschaft wund stößt, ist Prokofjews Feuriger Engel ein Pendant zu Alban Bergs gleichzeitig entstandener Oper Wozzeck, so die Spezialistin für die russische Oper Sigrid Neef. 

Kritiken

Möchten Sie für diesen Event eine Kritik schreiben, wenden Sie sich bitte per E-Mail an info@arture.eu.


Kritik von Ernst Scherzer

Eine - mit Einschränkungen - erfreuliche Wiederbegegnung
 
Manchem Musiktheater oder Konzertveranstalter dient die gewiss hübsche Erzählung von "Peter und der Wolf" als Alibi dafür, doch einen "modernen" Komponisten auf dem Programm zu haben. Wer aber spielt eine der Sinfonien von Sergej Prokofjew (1891 - 1953, manchem Chronisten scheint das mit Stalin identische Sterbedatum wesentlich...), welches Opernhaus nimmt eine seiner Opern ins Repertoire?
 
Die spätestens seit der - trotz mancher Einwände - spektakulär gelungenen Uraufführung des Sonntag aus Karlheinz Stockhausens gewaltigem "Licht"-Zyklus zu Ostern sich endlich im Aufwind befindende Kölner Oper kündigt für den Herbst dessen "Krieg und Frieden" an und das Nationaltheater Weimar konnte mit dem "Feurigen Engel" auch bei der letzten Aufführung (der Rezensent muss gestehen, erst diese geschafft zu haben), ein halbes Jahr nach der Premiere, noch ein volles Haus verbuchen; Bravorufe aus dem begeisterten Publikum gab es wenigstens für einzelne Sänger sogar von einer vor wenigen Jahren noch zwischen Hamburg, Salzburg und darüber hinaus gefeierten Frau Kammersängerin.
 
Der Applaus gebührte vor allen der Interpretin der Renata, Kirsten Blanck, die nicht nur rollengemäß beinahe den ganzen Abend anwesend die Vorstellung dominiert hat, sondern auch trotz größter Intensität derart wortdeutlich sang, dass sich in ihrem Fall die Übertitel erübrigt hätten. Leider hatte sie keinen gleichwertigen Ruprecht zur Seite. Was manche Kritiker an Renatus Mészár finden, konnte der Unterzeichnete schon anlässlich seines Wotan und Hagen im Weimarer "Ring"-Zyklus nicht nachvollziehen. Eine vielleicht schön zu nennende, dabei ziemlich flache Baritonstimme ohne große Ausdrucksmöglichkeit und ein nicht gerade bezwingender Darsteller.
 
Völlig harmlos, nämlich auch stimmlich, geriet ihm der Inquisitor - wie dem Regisseur Christian Sedelmayer die gesamte Klosterszene mit den nicht einmal einen Anflug von Besessenheit zeigenden Nonnen. In dieser Inszenierung scheint vielmehr Ruprecht (deshalb wohl die Personalunion mit dem Kirchenmann) nach einem Grund gesucht zu haben, die ihm lästig gewordene Renata unter Vorgaukelung eines höheren Gerichts los zu werden.
 
Ein derart matter Schluss hat natürlich die ganze Produktion beeinträchtigt, die sich in den Teilen zuvor im finstersten Mittelalter (Bühne: Christian Sedelmayer, Kostüme: Elisabetta Pian) abgespielt hat und nur in der Darstellung des Magiers Agrippa von Nettesheim als Einstein einen Bezug zur Gegenwart oder "jüngeren" Vergangenheit wagte. In dieser Rolle kam Alexander Günther mit heldentenoralem Gesang der Leistung von Kirsten Blanck am nächsten. Auch Frieder Aurich gefiel in der Doppelrolle des zwielichtigen Jakob Glock und des Mephisto. Letzterer in einer Szene, die nur deshalb nicht als Fremdkörper wirkte, weil Gretchen darin Ruprecht ein Kreuz für dessen Darstellung des Inquisitors aufdrängt. Ein immerhin plausibel wirkender Regieeinfall.
 
Der Komponist hat seinem erst posthum - 1954 konzertant in Paris, 1955 szenisch in Venedig - uraufgeführten "Feurigen Engel" eine nicht zuletzt rhythmisch starke Musik mitgegeben. Vielleicht hätte deren Realisierung durch die Staatskapelle Weimar etwas mehr Differenzierung vertragen, als sie der den Sängern penibel jeden Einsatz deutlich zeigende Dirigent Martin Hoff seinem Orchester abzuverlangen wusste.
 
Nur zu logisch, dass bei einer in Deutschland, in und in der Nähe von Köln sich abspielenden Handlung (für die Renata gibt es ein natürlich viel später lebendes Vorbild im Roman von Waleri Brjussow, nach dem sich Prokofjew das Libretto selbst gestaltet hat) in der hiesigen Sprache gesungen wird. Insgesamt auf hohem Niveau und damit erfreulich für die Wiederbegegnung mit einem nur sporadisch auf unseren Spielplänen auftauchenden Werk.      

Produktionsteam

alles anzeigen

Mitwirkende

Rupprecht, ein Ritter
Renata, Rupprechts Geliebte
Die Wirtin
Die Wahrsagerin
Die Wahrsagerin
Äbtissin
Äbtissin
Agrippa von Nettesheim
Mephisto
Faust
Faust
Inquisitor
Jakob Glock, Buchhändler
Mathis
Mathis
Knecht
Knecht
Der Wirt
Der Wirt
1. junge Nonne
1. junge Nonne
2. junge Nonne
2. junge Nonne
Orchester
alles anzeigen

Webseite

Event-URL: www.nationaltheater-weimar.de/frontend/i ...  (08.07.2010)
Presseseite  |   AGB  |   Kontakt  |   Impressum  |   Leistungen  |   Finde Events  |   Finde Institutionen  |   Finde Personen  |  

Sie lesen gerade: der feurige engel, Weimar, Deutsches Nationaltheater & Staatskapelle Weimar (DNT), 04.12.2010: Event