die heilige johanna der schlachthöfe

Premiere

Datum:
07.05.2011 
Institution:

Deutsches Nationaltheater & Staatskapelle Weimar (DNT)
Location:
Großes Haus
Ort:
Weimar
 (Thüringen)
, Deutschland
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Beschreibung

Pierpont Mauler, führender Fleischfabrikant in Chicago, gibt bekannt, seine Geschäftsanteile zu verkaufen - mit der Begründung, die blutige Tätigkeit könne er nicht mehr ertragen, und unter der Voraussetzung, dass Konkurrent Lennox ausgeschaltet wird. Dies verschlechtert die ohnehin höchst prekäre Situation der Arbeiterschaft auf den Schlachthöfen erheblich; Wirtschaftskrise durch Überproduktion und steigende Arbeitslosigkeit erhöhen den Druck, eine Stellung unter elendsten Bedingungen zu akzeptieren. Im Missionshaus der Schwarzen Strohhüte, die, nach Art der Heilsarmee, den Bedürftigen Suppe und fromme Gesänge zuteil werden lassen, mahnt Anführerin Johanna Dark zu Gottesfurcht und kritisiert die angeblich zu materialistische Gesinnung der Arbeiterschaft. Um dem Übel auf den Grund zu gehen, bittet sie Mauler um Unterstützung. Scheinbar aus Mitleid und um der Stabilisierung des Marktes Willen kauft dieser sämtliche Fleisch- und Viehbestände auf. Zu spät begreift Johanna, dass sich durch Maulers so entstandene Monopolstellung die Not nur vergrößert hat. Von den Schwarzen Strohhüten ausgeschlossen, weil sie gegen deren korrupte Verbündung mit den Fleischfabrikanten aufbegehrt hatte, macht sie sich auf den Weg zu den Schlachthöfen, wo ein Arbeiterführer zu Generalstreik und gewalttätigem Umsturz aufruft. Ihrem von der Arbeiterbewegung anvertrauten verantwortungsvollen Auftrag kommt Johanna aus Schwäche und Skrupel vor Gewalt jedoch nicht nach, so dass der Aufstand scheitert. Banken und Wirtschaft sind am Ende; das System steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Mächtigen beschließen Maßnahmen zu dessen Rettung auf Kosten des Großteils der Bevölkerung. Die sterbende Johanna zieht ein bitter-realistisches Fazit und ruft zum Kampf; um ihr Reden unschädlich zu machen, wird sie als Märtyrerin in das System integriert.

 Brechts Stück über die paradoxe Beständigkeit eines ausbeuterischen und verlogenen Machtsystems ist heute so aktuell wie im Wirtschaftskrisenjahr seiner Entstehung, 1929. Regie führt Michael von zur Mühlen. Er studierte Musikwissenschaft, Philosophie und Musiktheaterregie und war Stipendiat am Forum Neues Musiktheater der Staatsoper Stuttgart, wo er u.a. die Uraufführung von Lucia Ronchettis Last Desire realisierte. Anschließend arbeitete er, bevorzugt im Bereich zeitgenössisches Musiktheater, am Musiktheater im Revier Gelsenkirchen, dem Theater Heidelberg, der Oper Leipzig, der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz Berlin, der Staatsoper Unter den Linden sowie bei MaerzMusik der Berliner Festspiele. Mit der Heiligen Johanna wendet sich Michael von zur Mühlen erneut dem Schauspiel zu und stellt sich erstmals dem Nationaltheater Weimar vor.

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Event-URL: www.nationaltheater-weimar.de/frontend/i ...  (08.07.2010)
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