TAGEBUCH EINES VERSCHOLLENEN

Premiere (Reihe)

Datum:
25.04.2010, 10.46 Uhr 
Institution:

Badisches Staatstheater Karlsruhe
Location:
OPERNHAUS
Ort:
Karlsruhe
 (Baden-WĂĽrttemberg)
, Deutschland
Hauptevent:
TAGEBUCH EINES VERSCHOLLENEN / HERZOG BLAUBARTS BURG

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Beschreibung

Liederzyklus von Leoš Janáček für Tenor, Alt, drei Frauenstimmen und Klavier

Im Rahmen der Europäischen Kulturtage, die in diesem Jahr Ungarn gewidmet sind, steht Béla Bartóks einziges Opernwerk „Herzog Blaubarts Burg“ (Uraufführung am 24. Mai 1918, Königliches Opernhaus Budapest) auf dem Spielplan. „Herzog Blaubarts Burg“ wird zusammen mit Leoš Janáčeks (1854-1928)„Tagebuch eines Verschollenen“ aufgeführt, einem Liederzyklus für Tenor, Alt, drei Frauenstimmen und Klavier. Der tschechische Komponist hat – aus der Folklore schöpfend – eine Tonsprache von überraschender Originalität entwickelt: eine Musik der kurzen, keimhaften Motive, eine Gesangsmelodie, die schmiegsam dem Wortklang folgt, geeignet zu realistischem, ungekünstelt-natürlichem Ausdruck des Affekts. Das „Tagebuch“ geht auf eine Folge von 23 kurzen Gedichten zurück, veröffentlicht im Mai 1916 in der Brünner Tageszeitung: Einem redaktionellen Kommentar war zu entnehmen, dass aus einem mährischen Dorf auf unerklärliche Weise ein Bauernbursche verschwunden war. Nachdem man zuerst ein Verbrechen annahm, habe man einige Tage später seine Aufzeichnungen gefunden, in denen er seine Liebe zu einer Zigeunerin schildert. Da er um seine gesellschaftliche Reputation fürchtete, verließ er zusammen mit seiner Geliebten und dem inzwischen gezeugten Sohn schweren Herzens seine Heimat. Das Werk wurde 1921 in Brno uraufgeführt und erlangte danach große Popularität. Erst 76 Jahre später konnten die Gedichte dem mährischen Schriftsteller Ozef Kalda zugeschrieben werden. Béla Bartók (1881-1945) gehört zu den bedeutendsten Komponisten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und war der geniale Vorkämpfer und Vollender einer nationalen ungarischen Musik von internationaler Bedeutung. „Blaubart“, eine Oper von ungeheurer Stimmungsfülle, Tiefe und abgründiger Dunkelheit des Gefühls, gehört sicherlich zu den menschlich bewegendsten Meisterwerken der Musikliteratur. Um die Jahrhundertwende erlangte das Sujet vom Frauen betörenden Ritter Blaubart, das erstmals von dem französischen Volksmärchensammler Charles Perrault literarisch fixiert worden war und in der Folgezeit zahlreiche Dichter und Komponisten zu Auseinandersetzungen gereizt hatte, im Zuge der psychologisierenden Tendenzen der Zeit erneute Aktualität. In dem Libretto von Béla Balász will Judit die „böse Kunde“ zunächst nicht wahrhaben und glaubt, sie könne mit ihrer Liebe Blaubarts kalte finstere Burg mit den zahlreichen verschlossenen Zimmern erwärmen und erhellen und ihn wieder lebendig machen. „In dieser Hoffnung ringt Judit Herzog Blaubart die Öffnung der ersten Türen ab; doch mit jeder Tür im Burginnern (= Blaubarts Seele), enthüllt sich für sie mehr von Blaubarts blutigem Sein.“ (Hartwig Suhrbier) Judits Erschrecken über die „Blutspuren“, die beim Öffnen der ersten fünf Türen zutage treten, steht Blaubarts immer überzeugender werdende Empfindung gegenüber, dass die offenen Türen eine Wohltat für ihn bedeuten: Der Mann fühlt sich befreit, der Frau seine Stärke, Größe und Macht in strahlendem Licht zeigen zu dürfen; die Frau ist bestürzt, dass die Stärke, Größe und Macht des Mannes durch viel Blut und Leid erkauft wurde. Die Oper benutzt zur Verdeutlichung kriegerische und ausbeuterische Symbole, wie Waffenkammer, Schatzkammer, großes Reich, die den Lebenskampf des Mannes schildern. Mit dem Öffnen der fünften Tür vermeint Blaubart sein ihm möglich erscheinendes Innerstes preisgegeben zu haben, doch Judit dringt nun unerbittlich auf die Enträtselung aller Geheimnisse der Burg, was meint, sie will ganz in den „Kern“ des Mannes dringen, will „die ganze Wahrheit“ erfahren und fordert auch die letzten beiden Schlüssel. Damit ist die schmerzhafte Demontage einer ursprünglich leidenschaftlichen Liebe besiegelt. Bartók zeigt, dass „das Geheimnis der letzten beiden Türen (zur Seele des Mannes) die bittere Wahrheit ist, dass die vergossenen Tränen – Symbol dafür ist der Tränensee – und die in der Seele verhüllten Erinnerungen mit niemandem geteilt werden können.“ (Dietmar Holland) Bartóks Musik spiegelt eindrucksvoll die ausweglose Situation dieses Psychogramms im Melodischen, im Klanglichen, im Rhythmischen und in seiner meisterlich symbolhaft gestalteten Orchestrierung.

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Event-URL: www.staatstheater.karlsruhe.de/programm0 ...  (01.02.2010)
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