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Endlich begann am 19.09. die Spielzeit 2009/2010 im Schauspiel Essen. Romeo & Julia, einmal wieder ein Shakespeare Stück, genau, wie vor einigen Jahren, der Sommernachtstraum, soll mit einem Paukenschlag in die neue Spielzeit führen.
In das Kulturhauptstadt Jahr 2010.
Nun eines vorweg. Es war schon ein Paukenschlag, aber um in dieser Sprache zu bleiben, keiner auf den Low Tom, oder gar auf die Basedrum.
Das Essener Ensemble gibt sich zwar gewohnt facettenreich und bespielt beweglich das ganze Haus. Im ersten Teil aber verpufft die größte Liebesgeschichte der Literatur immer wieder zu Slapstick und Situationskomik. Besonders komische, überspielte Szenen erhalten gar Applaus. Verantwortlich hierfür ist sicherlich die tuntige Amme, gespielt von Fritz Fenne. Das soll aber seine Leistung keinesfalls schmälern, denn er und Roland Riebeling, der den Bruder Lorenzo mimt, bringen dem gesamten Stück den großen Schlussapplaus.
Aber zuvor gibt es eine Menge Gewalt. Aus dem Nichts heraus prügeln sich die beiden verfeindeten Familien die Körper blutig. Bei der Diskussion um die alltäglichen Aggressionen ein aktuelles Thema, es stellt sich hierbei nur die Frage, ob es derart szenisch inszeniert werden muss. Aber vielleicht erzeugt gerade das die besondere Wirkung.
Die Julia, gespielt von Kristina Peters, ist jung, hübsch, aber so richtig will man ihr die große Liebe zu ihrem Romeo an diesem Abend nicht abnehmen. Vielleicht die schnelle Affäre in den Müllbergen von Verona, eine einzige Liebesnacht mit ihrer persönlichen Gewissheit, dass am anderen Morgen ja sowieso wieder alles vorbei ist. Ihrem Romeo scheint es genau so zu gehen. Auch hier fehlt die Leidenschaft, das Pathos.
Wir müssen bis zum Ende des zweiten Teiles warten, ehe zwischen Romeo und Julia so etwas wie Magie entsteht. Da sitzen sie beide am vorderen Bühnenrand und warten darauf, dass ihre Liebe, so muss es sein, auch den Tod überdauert.
Leider ist Theater ja kein Wunschkonzert. Ich hätte mir besonders vom Intendanten des Hauses am Ende des Abends etwas mehr gewünscht. Es ist die letzte Spielzeit von Anselm Weber in Essen. Und ohne zu übertreiben, hat besonders unser Schauspielhaus ihm viel zu verdanken. Alleine schon durch den umbaubedingten Ausfall des Theaterfestes hätte der Herr Intendant durchaus mehr Präsenz zeigen müssen. Schließlich führt er das Schauspiel in das Kulturhauptstadtjahr 2010!
Sollten Sie wie ich ein wenig nostalgisch veranlagt sein und bei Ihren Besuchen
im Grillo Theater immer den Geruch der Geschichte geliebt haben, dann wundern
Sie sich bitte nicht. Es ist nur frisch gestrichen!
Aber Sie wissen ja:
„Doch die Leute im besetzten Hause riefen: Ihr kriegt uns hier nicht raus. Das ist unser Haus....“
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