Quartett

Premiere

Datum:
16.11.2007 
Institution:
Landestheater Detmold
Location:
Grabbe Haus
Ort:
Detmold
 (Nordrhein-Westfalen)
, Deutschland
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Beschreibung

Nein, es ist gar nicht nett, was die Marquise de Merteuil und ihr früherer Liebhaber Vicomte de Valmont so miteinander treiben; Choderlos de Laclos zeichnete am Vorabend der Französischen Revolution ein schonungsloses und faszinierendes Porträt einer hinfälligen Aristokratie. Grenzenlos ist die höfische Verruchtheit, doch mit bewundernswertem Raffinement wird das Boshafte ins Werk gesetzt. Eigentlich aus Langeweile und um sich die eigene Souveränität und libertinäre Amoralität zu beweisen, spinnt die Marquise de Merteuil ein Netzwerk von Intrigen. Die jung-naive Cecile de Volanges ist frisch aus dem Kloster einem der abtrünnigen Liebhaber der Merteuil versprochen, der, soviel Rache-Vergnügen muss sein, in der Hochzeitsnacht mit einer bereits entjungferten Braut überrascht werden soll. Was für ein perfider Spass! Bewerkstelligen soll ihn als Komplize der nicht minder boshafte Vicomte de Valmont. Eine leichte Aufgabe für diesen, leichter jedenfalls als die Eroberung der Madame de Tourvel, welche er sich justament vornimmt. Die ist nämlich ihrem Gatten treu und zudem vor dem abgefeimten Verführer bereits gewarnt. Zur Bewältigung dieses Problems könnte Valmont all seine Künste einsetzen und käme doch nicht ans Ziel. Es sei denn, er überzeugte die Umworbene davon, dass seine Liebe echt sei...
Heiner Müller, der wohl bedeutendste deutsche Dramatiker nach Brecht, schuf auf Basis der Romanvorlage etwas völlig Neues. Vier Figuren sind bei ihm übrig geblieben, gespielt werden sie von zweien: Merteuil und Valmont. Das Paar erlebt in fortwährenden Rollenwechseln das Trauma seiner Liebe nach. Rücksichtslos zynisch ist der Dialog, den Merteuil und Valmont sich über Verführung, Verrat und Tod liefern. Stolz auf ihre brutale Offenheit und Gefühlskälte bestätigen sie sich die völlige Kontrollierbarkeit ihrer Gefühlregungen. Je kälter der Ton dabei wird, desto mehr gewinnt der Zuschauer den Eindruck, dass hinter der Maske virtuoser Verachtung die Leidenschaft tobt. Undurchdringliche Fassaden werden durchlässig, ohne dass sie wegbrechen, nur das Spiel lässt noch Emotionen zu: Ein Klassiker der modernen deutschsprachigen Theaterliteratur.

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