Nachtgeschichte

Uraufführung

Datum:
26.09.2009 
Institution:
Schauspiel Essen
Location:
Grillo
Ort:
Essen
 (Nordrhein-Westfalen)
, Deutschland

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Kooperationspartner

Beschreibung

Es ist August, Zeit für das Familientreffen im Ferienhaus am Meer. Sommerweihnachten, wie Tanja als kleines Mädchen dieses jährlich wiederkehrende Ritual immer genannt hat. Die Familie, das sind in diesem Fall drei Generationen von Frauen: die Schwestern Rike und Jana, die unterschiedlicher kaum sein könnten, und ihre beiden Töchter Lea und Tanja. Und natürlich Marika: Mutter, Großmutter, erfolgreiche Journalistin und unbestrittenes Familienoberhaupt. Bis auf Sam, Janas neuen Freund, von dem noch nicht ganz sicher ist, ob er zur Familie gehört, ist eigentlich alles wie immer. Doch das Fest, das Lutz Hübner in seinem neuen Stück entwirft, macht aus Müttern Töchter, bringt Kampflust statt Harmonie und schließlich ein altes Trauma ans Licht.

Kritiken

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Kritik von Stefan Steigerwald

Ist doch alles nicht so schlimm – Die Nachtgeschichte an Sommerweihnachten.

Der Geruch vom verbrannten Fleisch liegt über weite Strecken in dem von Lutz Hübner geschriebenen Stückes „Nachtgeschichte“, dass am Samstag Abend im Essener Grillo Theater zur Uraufführung kam.

So schön hätte es sein können, beim jährlichen Familientreffen im Sommerhaus an der See. Der Tannenbaum wird geschmückt. Alles ist bereitet für das Wiedersehen einer Familie, die ihre Jahreshauptversammlung einfach in die warme Jahreszeit vorverlegt hat.

Eine Familie wie die im Nachbarhaus. Die schroffe Oma, die allmählich senil wird. Ihre Töchter, erwachsen und mit all ihren Sorgen und Nöten. Einem Lebensabschnittsgefährten. Und den jungen wilden Enkelinnen, beide extraordinär und unkonventionell. Noch nicht richtig im Leben stehend, aber auf der Suche nach dem Ich.

Während die Generationen ihre Erlebnisse eines vergangenen Jahres an der Oberfläche austauschen, bahnt sich der Urknall, der große Konflikt schon an.

Es wird einfach Zeit, sich endlich einmal die Wahrheit zu sagen.

 

Das Premierenpublikum erlebt ein brillantes Essener Ensemble, das von Anselm Weber hervorragend in Szene gesetzt wird. Es gelingt spielend in die Tiefe dieser Familie abzutauchen und zu fühlen, was diese Menschen belastet.

Die 1939 geborene und von Jutta Wachowiak gespielte Marika erzählt in einer intensiven Nacht ihre Geschichte von der großen Scheiße des Krieges und warum der Schlaf sie nur krank macht. Denn nachts, da kommen die Träume, da kommt der Tod zurück. Eindrucksvoll schildert Jutta Wachowiak, die so extrem schroff mit ihren eigenen Töchtern umspringt, ihren Weg über die Leichen des Krieges. Anrührend liegt ihr dabei Friederike Becht in der Rolle der 1992 geborenen Jana zu Füssen, während die zweite Enkelin Lea, zwei Jahre älter, aus dem Hintergrund der Geschichte folgt. Barbara Hirt, die in der letzten Spielzeit bereits glänzte, spielt diese Lea extrem glaubwürdig.

Und dann sind da noch die drei aus den sechziger Jahren. Voller Selbstzweifel. Scheinbar gescheitert. Am Leben. An sich selbst. Der Lebensabschnittsgefährte Sam (Holger Kunkel) ist noch der Ruhepol. Sowohl Katharina Linder als auch Bettina Engelhardt überzeugen als Marika’s Töchter und spielen ihre Schwesterrollen sehr intensiv. Ob es der totale Kollaps oder die Annäherung an die eigene Mama ist, es wird gestritten, geschrieen und manchmal auch geschlagen.

Kostüme und Bühne hinterlassen ebenso einen bleibenden Eindruck und reihen sich in das Gesamtbild einen gelungen Premierenabends!

 

Im Übrigen – selbst als Vegetarier kann man den Geruch des verbrannten Fleisches ertragen. Sam hat doch einfach nur ein paar Steaks auf dem Grill vergessen. Aber als die Nachtgeschichte erzählt wird und man die Augen schließt, kann man sich dazu vieles, aber nicht immer schönes vorstellen.......die Bombennächte des 2. Weltkrieges.

 

Produktionsteam

Mitwirkende

Marika Kotte
Rike Kotte, Tochter von Marika
Jana Kotte, Tochter von Marika
Lea, Tochter von Rike
Tanja, Tochter von Jana
Sam, Freund von Jana

Webseite

Event-URL: www.theater-essen.de/asp/gesamt_einzelst ...  (31.08.2009)
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