Menschen bei der Arbeit

Uraufführung

Datum:
19.03.2010 
Institution:
Städtische Theater Chemnitz
Location:
Schauspielhaus
Ort:
Chemnitz
 (Sachsen)
, Deutschland
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Kritiken Produktionsteam Mitwirkende

Kritiken

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Kritik von Laura N. Junghanns

Menschen bei der Arbeit

Henriette Dushe

„Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe“

(Genesis/1. Mose, Kapitel 1, Zeile 2)

Die Eingangssituation, geschilderte durch Susanne Stein, welche den Engel mit schief-rostigen Flügeln spielt, ist – im wahrsten Sinne des Wortes - einleuchtend. Das Stück beginnt am glaubenstechnisch wahren Anfang – der Schöpfungsgeschichte.

Diese verwandelt sich jedoch zu einer „Erschöpfungsgeschichte“, als es um die Entwicklung des Menschen geht, welcher weder Anreiz, Wille noch Ausdauer besitzt, so recht etwas aus seinem Dasein zu machen. Geprägt durch diese Eigenschaften kristallisiert sich heraus, dass es sich bei dieser Person um einen Arbeitslosen handelt. Dargestellt wird dieser durch Karl Sebastian Liebich, welcher die von Henriette Dushe als zwei Rollen angedachten Kugelschreiber und Sinnlos in einer Person mimt. Auch die anderen Charaktere Dirndl (Daniela Keckeis), sowie Prinzessin (Claudia Kraus), welche jedoch eher an eine Büroangestellte mit dicker Brille erinnert, sind Arbeitslose.

Die Aufgabe des Engels scheint es zunächst zu sein, diese drei gescheiterten Existenzen aus ihrem Unglück zu befreien. Diese Annahme verliert sich im Verlauf des Stückes komplett, sodass im Endeffekt lediglich der Prozess des Erfahrungsaustausches mittels grotesker Situationen das Geschehen bestimmt.

Der Engel entfernt sich dabei zunehmend von seiner Ausgangslage und wird mehr und mehr ein Teil der Gesamtsituation, in welcher er zwichenzeitlich sogar seine Flügel ablegt und somit den Arbeitslosen - vorallem rein äußerlich - gleicht.

Das Stück „Menschen bei der Arbeit“ bietet thematisch keine sonderlichen Neuerungen zur allgemeinen „Hartz 4 Epoche“. Die hervorragend gespielte, teils bizarre Situationskomik der Schauspieler lenkt dabei von der nicht vorhandenen inneren Handlungsperspektive des Stückes ab. Dies komischen Momente bleiben die herausragenden Situationen des Stückes, welche die halbherzig umgesetzten ruhigen Momente der Regisseurin Alexandra Wilke schnell in Vergessenheit geraten lassen.

Der inhaltlich unübersichtliche Inszenierungsaufbau scheint die Unsicherheit der arbeitslosen Figuren, in der Welt keine wahre Aufgabe zu erhalten, zu symbolisieren. Die musikalischen Unterbrechung durch den Chemnitzer Liederkreis mit knapp dreißig Mitgliedern, zwei Beatboxkünstlern, sowie diversen Liedern der Schauspieler kommentieren dabei die Gedanken und Gefühle der Akteure.

In genau diesen Momenten, wenn mehr Personen als die Schauspieler an sich auf der Bühne agieren, spiegelt sich die Größe der wahrlich Kleinen Bühne des Chemnitzer Theater wieder, welche durch einen verhältnismäßig großen Holzaufbau regelrecht verstopft ist.

Diese Platzknappheit wird weiterhin durch diverse Requisiten, wie einem Bürostuhl und einem Holzblock unterstützt. Die Enge in einigen Szenen lässt den Artisten letztlich kaum Aktionsfreiheit und bildet somit ein teils unklares Bild des Bühnengeschehens, welches charakteristisch auf die Unentschlossenheit der Arbeitssuchenden zugeschnitten ist. Den Mittelpunkt der von Detlef Franke inszenierten Bühne ziert ein großes, in der Luft schwebendes achtarmiges Gebilde aus Holz - vermutlich ein Schicksalsrad. Dieses Schicksalsrad verengt die Bühne zusätzlich und hängt wie ein Damoklesschwert über den Köpfen der Figuren. Zusätzlich dreht sich das Rad hin und wieder. Durch die Überladenheit der Situationen auf der Bühne bleibt dem Zuschauer jedoch kaum Zeit den Moment des Drehens thematisch tiefgreifender in das Geschehen einzuordnen.

Am Ende der Aufführung steht keinerlei Erkenntnis für den Zuschauer, welche mögliche Hinweise auf die weiterführenden Chancen der Charaktere in Zusammenspiel mit ihrem Schicksal bieten könnte, sondern lediglich das gute Gewissen, die letzten, knapp siebzig Minuten amüsant verbracht zu haben.

Alles in allem, bildet das Stück eine ironische, teils oberflächliche Darstellung der derzeitigen Verhältnisse eines Arbeitssuchenden in Deutschland.

Es bleibt abzuwarten, ob die Uraufführung von „Menschen bei der Arbeit“ am Theater Chemnitz das gewünschte Sprungbrett für Dushe, die Gewinnerin des Retzhofer Preis 2009, wird.

L.N.J.

Produktionsteam

Mitwirkende

Kugelschreiber
Sinnlos
Prinzessin
Engel mit schief-rostigen Flügeln
Dirndl

Webseite

Event-URL: www.theater-chemnitz.de/php/schau/rep_de ...  (12.03.2010)
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