Lady Macbeth von Mzensk

Premiere

Datum:
23.05.2009, 19.30 Uhr 
Institution:

Landestheater Linz
Location:
GroĂźes Haus
Ort:
Linz
 (Oberösterreich)
, Ă–sterreich

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Beschreibung Kritiken Produktionsteam Mitwirkende

Beschreibung

Oper in vier Akten und neun Bildern

nach der gleichnamigen Novelle (1865) von Nikolaj Leskow

In deutscher Sprache mit zusätzlichen Übertiteln

Katerina Ismailowa, die Lady Macbeth von Mzensk, ist sicher die stärkste und rücksichtsloseste Frau der Operngeschichte. Aber auch sie kann ihr Glück nicht festhalten. Schostakowitsch erzählt Anfang der 1930er Jahre die Geschichte einer jungen Frau, die lange genug so passiv gewesen ist wie ihre Geschlechtsgenossinnen in den Opern der Romantik. Jetzt sagt sie der patriarchalischen Welt, in die sie eingezwängt ist, den Kampf an. Sie nimmt sich einfach, was sie haben möchte – den Liebhaber, die Freiheit, die Traumhochzeit – und räumt aus dem Weg, was sie einengt – den schwachen, ewig handlungsreisenden Gatten und den gewalttätigen Schwiegervater. Einen Moment lang scheint sie zu haben, wonach nicht nur traurige Opernheroinen sich sehnen: Freiheit, Liebe, Sex. Doch in das Mahlwerk der Gewalt, das sie zu Hilfe nimmt, gerät sie schließlich selbst. Der Traum vom Glück zerrinnt im Schlamm eines sibirischen Arbeitslagers.

Nach der Uraufführung 1934 in Leningrad (St. Petersburg) ging die Oper innerhalb kurzer Zeit um die ganze Welt. Als sie jedoch 1936 ins Moskauer Bolschoi-Theater kam, wo Stalin in seiner Loge saß, endete jäh ihr Siegeslauf. Zwei Tage nach der Premiere erschien der berühmtberüchtigte Prawda-Artikel „Chaos statt Musik“, in dem die Oper als Ausdruck von „linksradikaler Zügellosigkeit“ und „kleinbürgerlichem Neuerertum“ gegeißelt wurde. Das folgende Aufführungsverbot zerstörte Schostakowitschs Karriere. Nur sehr langsam konnte sich der Komponist von diesem Schlag erholen; eine Oper komponierte er nie wieder.
Dimitri Schostakowitsch sprach von seiner „Tragödie-Satire“: Die Musik hält nach dem Vorbild der kühlen Sprache von Nikolaj Leskows Novelle immer Distanz zu den Figuren. Mal zynisch, mal sarkastisch, mal belustigt kommentiert das große Orchester die Handlung – Hauptsache, dass keinen Moment der Eindruck einer „heilen Welt“ entsteht.
Allein mit der Hauptfigur hat Schostakowitsch MitgefĂĽhl. FĂĽr die Arbeiter, Popen, Polizisten und Zwangsarbeiter um sie herum dagegen hat die Musik nur Hohnlachen ĂĽbrig, sie erscheinen als grotesk verzerrte Karikaturen.

Kritiken

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Kritik von Ernst Scherzer

Das Landestheater in Linz, der oberösterreichischen Hauptstadt, die sich in diesem Jahr auch jene der Europäischen Kultur nennen darf, gehört zu den Häusern, deren Erscheinungsbild im umgekehrten Verhältnis zur Leistung auf dem Gebiet des Musiktheaters stehen: Optisch - abgesehen von der Fassade und einem neuerdings großzügig gestalteten Außenbereich zu den Kammerspielen hin - präsentiert sich das Große Haus als nicht viel mehr als ein besseres Kino. Der Orchestergraben ist geradezu beschämend eng für einen der besten Klangkörper in ganz Österreich, dem Bruckner Orchester Linz mit seinem prominenten Chefdirigenten Dennis Russell Davies. Frühestens 2012 wird dieser nach diversen Querelen auf politischer Ebene ein künstlerisch angemessenes Haus vorfinden.
 
Mit ihrer Programmgestaltung möchte die Theaterleitung nicht unbedingt bis dahin warten und hat jetzt wieder (also nicht zum ersten Mal) ein Werk erarbeitet, das akustisch den vorgegebenen Rahmen bei weitem sprengt. Dimitri Schostakowitschs Oper "Lady Macbeth von Mzensk"  gehört nicht nur zu den lautesten Stücken überhaupt, sondern zu einem der brutalsten in seiner schonungslosen Darstellung von Vergewaltigung und Mord, Auspeitschung und Liebesakt. Begleitet von einer Musik, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig läßt; allerdings auch nichts an zündenden Einfällen. Das Publikum zeigte sich jedenfalls restlos begeistert, so gut besucht wie die Repertoire-Aufführung, von der hier zu berichten ist, sind zuweilen nicht einmal die Premieren.
 
Ingo Ingensand, der umsichtig der Sache dienende Erste Dirigent des Hauses, musste einen Teil seiner Musiker auf dem zweiten Rang unterbringen. Es gelang das Kunststück, trotz größter Lautstärke die Feinheiten der Partitur zum Klingen zu bringen. Andreas Baesler - zuletzt mit einem nicht unumstrittenen deutschen "Don Giovanni" als Regisseur zu Gast - schonte seine Zuseher ebenso wenig wie seine Sänger und vertraute im Übrigen ganz auf die Wirkung der Musik, indem er etwa die Zwischenspiele nicht, wie oft gesehen, bebildert, sondern vor geschlossenem Vorhang spielen ließ. Karel Spanhak hat ihm ein mit einfachen Mitteln variables Bühnenbild geschaffen, engagiert mitmachend bewegte sich darin der von Georg Leopold vorbereitete Chor.
 
An diesem Theater leistet man sich noch ein anderswo schon als Luxus betrachtetes Ensemble, aus dem an diesem Abend mit kleinen aber feinen Rollen Katerina Hebelkova, Nikolai Galkin, Alik Abdukayumov und William Mason herausragten. Klaus-Dieter Lerche bedeutet als jede von ihm verkörperte Opernfigur einen Glücksfall, diesmal wurde ihm jene des Boris Ismailow anvertraut. Hervorragend auch Iurie Ciobanu als sein Sohn Sinowij,  wogegen dessen tenoraler Nebenbuhler Erik Nelson Werner seine vom Bariton her kommende Stimme zuweilen noch nicht ganz im Griff oder viel mehr in der Kehle hatte. Trotzdem eine nicht zuletzt darstellerisch überzeugende Leistung für den überlegen lächelnd sich dem Sträflingszug anschließenden Sergej.
 
Die Titelrolle war, dem Vernehmen nach, bei der Premiere eher mäßig besetzt. In dieser dritten Vorstellung erlebte man dagegen eine Sängerin, für die man die Floskel von der "auf den Leib geschriebenen Partie" ohne Bedenken strapaziert. Lona Culmer-Schellbach, als Gast herbeigeholt,  besticht nicht nur auf dem Papier mit ihrem unerhört breiten Repertoire. Die Künstlerin durchmisst in drei Opernstunden alle Leidenschaften, Ängste und unerfüllten Lebensauffassungen der Katerina Ismailowa. Ihr ausladender, dabei intonationssicherer und sprachverständlicher Gesang (verwendet wird die deutsche Übersetzung von Jörg Morgener und Siegfried Schoenbohm samt den allerorten zu einem Unfug werdenden und hier auch nicht erforderlichen zusätzlichen Übertiteln) betört zu Recht das Publikum. Dass sich ihre Bühnenpartner davon nicht beeindrucken lassen, liegt allein an der Handlung.
 

Produktionsteam


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Mitwirkende


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Webseite

Event-URL: www.landestheater-linz.at/490_DE-Stuecke ...  (27.05.2009)
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