In italienischer Sprache
mit deutscher Übertitelung
Dramma lirico in quattro parti von Giuseppe Verdi (1813-1901)
Libretto von Salvatore Cammarano und Leone Emanuele Bardare
nach dem Drama «El Trovador» (1836) von Antonio García Gutiérrez
Als am Principe-Theater in Madrid im März 1836 die Premiere von Antonio García Gutiérrez' Drama «El Trovador» über die Bühne ging, hatte das Publikum eine Sternstunde des spanischen Theaters erlebt. Zusammen mit einer kleinen Gruppe anderer Stücke – darunter auch «Don Alvaro» (1835), ein Werk des Herzogs von Rivas, Vorlage für Verdis «La forza del destino» – kennzeichnete «El Trovador» das Aufkommen einer kurzlebigen, aber eigenständigen Variante spanischer Romantik, die zwar der französischen Romantik Victor Hugos verpflichtet war, jedoch eine besondere eigene emotionale und spirituelle Prägung besass. «El Trovador», oberflächlich betrachtet ein historisches Drama, das zur Zeit der aragonesischen Kriege im frühen 15. Jahrhundert spielt, handelt in Wahrheit von einer Krise der religiösen, sozialen und politischen Autorität, die sich in García Gutiérrez eigener Ära auftat. Dies geschieht mittels einer Geschichte, die gegen alle anerkannten Werte und Grundsätze des guten Geschmacks verstösst und in einem Tonfall erzählt wird, der abwechselnd brutal und ekstatisch wirkt.
Die adlige Leonora wird von zwei Männern umworben: Einer ist ein Grande (der Conte di Luna), der andere ein Geächteter (der Troubadour Manrico, der angeblich von Zigeunern abstammt). Gegen jede Vernunft und alles Standesdenken entscheidet sich Leonora für Manrico. Obwohl sie sich schon zum Eintritt in ein Kloster entschlossen hat, um ihr Leben Gott zu weihen, brennt sie dennoch mit ihrem Liebhaber durch, lässt sich also von religiösen Schicklichkeitsvorstellungen ebenso wenig einengen wie von gesellschaftlichen. Die vierte Hauptfigur, die auf Verdi eine unwiderstehliche Faszination ausübten sollte und der Oper fast ihren Namen gegeben hätte, ist die Zigeunerin Azucena. In einem Moment blinder Raserei hat sie ihren eigenen kleinen Sohn auf den Scheiterhaufen geworfen, auf dem ihre Mutter unter dem Vorwurf der Hexerei verbrannt worden war. Seither wird sie von schrecklichen Visionen verfolgt, und sie versucht mit allen Mitteln, Rache für den Tod ihrer Mutter zu nehmen. García Gutiérrez' Welt wird nicht von gütiger Vorsehung, sondern von einem blinden und scheinbar unheilvollen Schicksal bestimmt. Religion bietet weder Sicherheit noch Trost; die Gesellschaftsordnung garantiert keine einheitlichen ethischen Normen. Die einzig sicheren Werte stellen die Leidenschaften des menschlichen Herzens dar – Liebe, Eifersucht und Hass jeglicher Couleur – und die Figuren geben sich diesen Leidenschaften blindlings mit grimmiger Erregung hin. Sicher waren es die Kühnheit und Originalität des spanischen Stücks – seine bizarren Gestalten und Ereignisse, sein gesellschaftlich und moralisch provokanter Charakter – die Verdis Interesse für das Stück hervorriefen. Das romantische Drama mit seiner dialektischen Verschränkung von Liebes- und Rachehandlung, die beide im Tod enden, erschien ihm opernwürdig. In einem Brief an Salvatore Cammarano, den seinerzeit gefeiertsten Librettisten Italiens, äusserte er im Januar 1850 erstmals die Absicht, das Gutiérrez-Drama in Musik zu setzen und entwickelte bereits genaue Vorstellungen: «Ich hätte gern zwei weibliche Rollen: Die wichtigere von beiden ist die der Zigeunerin, einer Frau von ganz besonderem Charakter, nach der ich die Oper zu benennen gedenke...».
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