Groß und Klein
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Beschreibung
Szenen von Botho Strauss
»Denn was er schon kann, zeugt von Talent. Was ihm noch fehlt, lässt sich erlernen. Dieser Mann ist eine große Hoffnung unserer Literatur.« So urteilte Marcel Reich-Ranicki 1977 über den damals 32-jährigen Schriftsteller Botho Strauß. Seitdem ist viel geschehen, in den Achtzigerjahren wurde er gefeiert, in den Neunzigerjahren verdammt. Dann wurde es ruhiger, aber immer wieder meldet sich diese große Stimme der deutschsprachigen Dramatik mit Stücken zurück, die zeigen, wie genau er die Gesellschaft beobachtet, wie genau er den Leuten aufs Maul schauen kann, um dann ihre Alltagssprache in seinen Texten zu einem kunstvollen Gewebe aus Realität und Literatur zu überhöhen. »Groß und klein« wurde 1978 uraufgeführt. Das Stück ist ein Seismogramm einer Zeit, in der viele Gewissheiten brüchig und alle Ideologien fragwürdig wurden und die Menschen schließlich ganz auf sich zurückgeworfen waren. Eine Zeit, die sich gerade wiederholt.
Im Zentrum von »Groß und klein« steht die arbeitslose Grafikerin Lotte. Sie lebt in Scheidung und ist auf der Suche nach eigentlich allem: Nach ihrem Mann, nach irgendeinem Mann, nach Freunden, nach Kommunikation, nach einem Halt. Die Zeitgenossen, denen sie begegnet, erweisen sich jedoch als wenig zugänglich. Ob in einer Ferienanlage, vor dem verschlossenen Eingang eines Wohnsilos, an der Bushaltestelle oder im Wartezimmer eines Arztes: Überall trifft die fast verzweifelt anpassungswillige Frau auf abweisende Menschen, die ihre eigene Vereinsamung und innere Leere durch Alkohol oder Fernsehkonsum zu betäuben versuchen, sich hinter Sprechanlagen, Diktiergeräten oder Telefonen verschanzen. Aber Lotte gibt nicht auf, ihr Glaube, doch noch irgendwann und irgendwo auf einen Rest Menschlichkeit zu treffen, ist unerschütterlich – bis sie sich selbst mehr und mehr abhanden zu kommen droht.



