Glaube Liebe Hoffnung

Premiere

Datum:
06.02.2010 
Institution:
Städtische Theater Chemnitz
Location:
Schauspielhaus
Ort:
Chemnitz
 (Sachsen)
, Deutschland
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Kritiken Produktionsteam Mitwirkende

Kritiken

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Kritik von Laura N. Junghanns

Glaube Liebe Hoffnung

Ödön von Horváth

Was sind 150 Mark wert?

Ödön von Horváth geht genau dieser Frage in seinem Stück Glaube Liebe Hoffnung auf den Grund. Auch, wenn Horváth dieses Stück bereits 1932 anlässlich der Weltwirtschaftskrise verfasste, so fesselt dieses auch heute noch in seiner schonungslosen Aktualität.

Es sind Träume der Selbstverwirklichung, sowie der bloße Überlebenskampf, welche eine Frau namens Elisabeth, gespielt von Daniela Keckeis, dazu treiben, ihren Leichnam für 150 Mark zu verkaufen. Dieser Entschluss sollte der Beginn einer tragische Reise in die Verlorenheit einer pflichtbewussten deutschen Gesellschaft der Weimarer Republik, die von Arbeitslosigkeit geprägt, den Kopf jedes Menschen mit einem Preisschildchen zu versehen scheint, sein.

Der Untertitel des Stückes "Ein kleiner Totentanz in fünf Bildern" ist bezeichnend für die Dramaturgie des Werkes. Horváth bittet in einer hohe Geschwindigkeit zum Auftakt des Werkes. Enrico Lübbe unterstützt diese Dynamik besonders im Anfang des Stückes. Diese wird dabei hauptsächlich durch die kurz aufeinander folgenden Szenen erzeugt, deren szenische Übergänge durch Lichtspiele und crescendo der Musik den Zuschauer erwartungsvoll bei Laune halten. Die tiefe, nach hinten erhöhte, requisitenfreie Bühne von Henrik Ahrs mit ihren steilen Abgängen an den Seiten, lässt tragische Abgründe und ein rasches Kommen und Gehen der Figuren erahnen.

Nach und nach verblassen diese ersten Eindrücke und es kristallisiert sich das Bild Elisabeths heraus die zur Selbstständigkeit in einer dominanten Männerwelt gezwungen wurde. Ihre Situation verdreht sich dabei mehr und mehr in einem scheinbar ewigen Walzer, verflochten aus komisch anmutenden Momenten, welche Elisabeth nur tiefer in ihr Unglück bringen. Der Versuch, ihrer eigenen Situation Herr zu werden, scheitert unter anderem an den Folgen der Vergangenheit. So ist es beispielsweise eine Vorstrafe, die sie um ihren Job, sowie um ihren neuen Liebhaber Alfons Klostermeyer, gespielt von Wenzel Banneyer, welcher ausgerechnet ein Polizist ist, bringt.

Der Teufelskreis dreht sich immer dichter und rasanter, um die Frage nach der Schuld, welche Elisabeth die Last ihrer Not auferlegte. So war denn auch ihre Vorstrafe nicht eigentlich nur ein Produkt ihres eigenen Antriebes, sich selbstständig zu machen ohne Gewerbeschein, welche nun bitter verurteilt wird? War es nicht ihr gutes Recht? Schuld und Unschuld verbindet Horváth immer dichter in einem Nadelöhr aus Verzweiflung und so ist es kaum verwunderlich, dass die Elisabeth letztlich an diesem Konflikt zerbricht.

Der Tanz nimmt sein Ende im Selbstmordversuch Elisabeths, welcher zunächst ironischer Weise zufällig durch die Menschen, die sie zuvor verurteilten, verhindert wird. Doch diese Hinderung hält nicht lang an und so stirbt Elisabeth in Verzweiflung vor der versammelten Meute, deren Gleichgültigkeit gegenüber Elisabeths Situation sich in wohl Horváths bekanntestem Zitat aus Glaube Liebe Hoffnung „Ich lebe, ich weiß nicht wie lang, / Ich sterbe, ich weiß nicht wann, / Ich fahre, ich weiß nicht wohin, / Mich wundert, dass ich so fröhlich bin.“ darstellen lässt.

Das Resultat bleibt augenscheinlich, dass ein Mensch in Zeiten einer gesellschaftlichen, sowie finanziellen Krise, keine 150 Mark wert sei und letztlich am Egoismus der Individuen zerbricht.




Produktionsteam

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Mitwirkende

Elisabeth
Alfons Klostermeyer
Oberpräparator
Präparator
Vizepräparator
Baron
Irene Prantl
Frau Amtsgerichtsrat
Buchhalter
Maria
Oberinspektor
Joachim
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Webseite

Event-URL: www.theater-chemnitz.de/php/schau/rep_de ...  (12.03.2010)
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