Erstmals steht am Staatstheater Braunschweig ein Stück der britischen Autorin Sarah Kane auf dem Spielplan. Deren Texte gehören zum Kompromisslosesten und zugleich Poetischsten, was das Theater der 90er Jahre hervorbrachte. Kane erfasst die Anatomie menschlicher Gefühle und Beziehungen und schreibt über deren Zumutungen, über Verlangen, Angst, Gewalt, Abhängigkeit und immer wieder über die Liebe als das am meisten Ersehnte und Verratene zugleich.
In »Gier« führt sie vier Charaktere ? C, M, B und A ? zu einem eigenwilligen, aufwühlenden Gesang zusammen. Biografische Fragmente, Erinnerung, Verletzung, Verzweiflung und die Suche nach Wahrhaftigkeit werden zu einem vielstimmigen Gedicht, das vom Fühlen auf des Messers Schneide handelt, wo jeder Gedanke eine Gefährdung bedeuten kann, jeder Satz ein Bekenntnis, eine Verschwendung, eine Forderung, eine Wahrheit, eine Kränkung. Die Kraft der Sprache, scheint es, treibt die Stimmen voran. Es gibt keine Beruhigung, nirgends oder nur diesen einen Fluchtpunkt der Hoffnung: »Wenn Liebe käme.«
Sarah Kane erlebte die Uraufführung ihres ersten Stücks »Zerbombt« 1995 am Londoner Royal Court Theatre. Ihre Gegenüberstellung von privater Gewalt und gesellschaftlichem Kriegszustand provozierte zunächst einen Skandal. Es folgten die Stücke »Phaidras Liebe«, »Gier«, »Gesäubert« und »4.48 Psychose«.
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