1
1
1
1
Un ballo in maschera | Oper in drei Akten
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln
Ein Herrscher begehrt die Frau seines Adjutanten, Verschwörer planen ein Komplott und eine Wahrsagerin beschwört Unheil herauf – oder warnt sie nur davor? In Verdis „Maskenball“ kontrastieren die dämonische Beschwörungsszene und der nächtliche Henkersplatz mit einem rauschenden Fest; zugleich ist die Oper ein merkwürdiges Vexierspiel um wechselnde Paarkonstellationen und die Freude am Rollenspiel, gewürzt mit einem Hauch von Theater auf dem Theater und durchzogen von homoerotischen Subtexten. Hinter allem steckt die Sprengkraft eines Freiheitsdrangs, der sich mit den privaten Konflikten zu einem tödlichen Gebräu vermengt. Die unheilvolle Prophezeihung erfüllt sich im Tod des Herrschers, ohne dass sich Niedertracht und Edelmut am Ende eindeutig zuordnen ließen.
Eigentlich wollte Giuseppe Verdi endlich seine lange geplante Oper nach Shakespeares „King Lear“ schreiben. Aber als aus Neapel ein Kompositionsauftrag für das Jahr 1858 eintraf, stand seine Wunschbesetzung für die Cordelia nicht zur Verfügung. Sein Librettist Antonio Somma musste auf Geheiß Verdis seine bereits weit fortgeschrittene Arbeit am „Lear“ unterbrechen und sich einem anderen Stoff zuwenden. Man entschied sich zur Bearbeitung eines bereits vorhandenen Opernlibrettos: „Gustave ou Le Bal masqué“, das der bewährte Eugène Scribe für Auber verfasst hatte. Darin geht es um den schillernden Lebenswandel und die spektakuläre Ermordung des schwedischen Königs Gustav III. Die üblichen Scherereien mit der Zensur verschärften sich, als am 13. Januar 1858 ein Attentat auf Napoleon III. verübt wurde und die Behörden Bedenken hatten, eine Oper über einen Königsmord zu erlauben. Aus den Reihen der auf Freiheit, Bürgerrechte und nationale Einigung Italiens zielenden Bewegung des Risorgimento organisierten sich Demonstrationen für die Kunstfreiheit. Die Uraufführung fand schließlich in Rom statt, wobei aus dem schwedischen König der Gouverneur von Boston geworden war. Verdi aber wurde zum Symbol der nationalen Befreiung. Leider hinterließ er uns nie eine „Lear“-Oper, jedoch mit dem „Maskenball“ ein rätselhaft schillerndes Meisterwerk.
empfehlen