Der Waffenschmied

Premiere

Datum:
10.10.2009 
Institution:
Landesbühnen Sachsen
Location:
Großer Saal - Radebeul
Ort:
Radebeul
 (Sachsen)
, Deutschland
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Kritiken Produktionsteam Mitwirkende

Kritiken

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Kritik von Ute Morisse

Unter den Opern Lortzings wird heute nur noch Zar und Zimmermann sowie Der Wildschütz regelmässig gespielt. Es ist daher ein an sich lobenswertes Unterfangen, dass das Theater zuweilen auch andere Werke eines Komponisten wiederentdeckt, denn so manche Oper ist zu Unrecht in Vergessenheit geraten. Die Landesbühnen Sachsen in Radebeul wagen sich immer wieder, hier archäologisch tätig zu werden – neben dem Waffenschmied, dessen Premieren am 10. und am 11. Oktober im Stammhaus zu sehen waren, ist für das Frühjahr 2010 die Aufführung einer relativ unbekannten Faust-Oper (Komponist: Louis Spohr) geplant.

Ausgrabungen jedoch bringen nicht immer antike Schätze hervor, sondern eben auch den einen oder anderen Ton-Topf, der historisch sicherlich wertvoll und nett anzusehen ist, aber nicht in den Mittelpunkt einer Ausstellung gehört. So verhält es sich mit Lortzings Waffenschmied: Zwar verfügt die Oper über einige Gassenhauer – "Auch ich war ein Jüngling in lockigem Haar", "Wir armen, armen Mädchen", "Man wird ja einmal nur geboren" – und schöne musikalische Momente; dennoch versteht man, warum das Werk als Ganzes nur noch selten gegeben wird.

Wenn sich ein Theater also daran macht, eine solche Oper auf die Bühne zu bringen, muss es besonderen Einfallsreichtum in der Inszenierung zeigen. Dafür sind die sogenannten "B-Häuser" unter den Musiktheatern im allgemeinen, und die Landesbühnen Sachsen im besonderen bekannt. Von sowohl heimischen als auch Gastregisseuren wurde schon erstaunlich Gutes gezeigt.

Wolfgang Lachnitt, den man für dieses Stück verpflichtet hatte, war hier allerdings ein Fehlgriff; er hat dazu beigetragen, dass man den Waffenschmied nun für lange Zeit wieder unter dem Geröll der Geschichte begraben sehen will. Seine Inszenierung erwies sich in erster Linie als uninspiriert. Die als postmoderne Intertextualität getarnte Zitatensammlung wirkte konzeptlos: ein wenig Phantom der Oper hier, ein wenig Rosenkavalier dort. Tieferen Sinn hatte dies nicht. Aber auch dort, wo kräftig mit Symbolen gearbeitet wurde, entstammten die Ideen der Mottenkiste des Regiehandwerks. So dürfte der die Bühne penetrierende Säbel auch Steinzeit-Freudianer zufriedengestellt haben; für die klassisch Gebildeten dagegen gab es den Säbel, der als Damoklesschwert von der Decke hing. Seine Figuren liess Lachnitt kontrolliert und selbstdistanziert agieren, was angesichts der lahmen Inszenierung nicht den gewünschten Entfremdungseffekt hatte, sondern jegliches Aufkommen von Lebendigkeit verhinderte. Im grossen Finale – dem Aufmarsch der Truppen des Grafen von Liebenau – waren dem Regisseur die Ideen vollends ausgegangen. In einer gefühlten Endlosschleife zog ein Tross von circa einem Dutzend Statisten über die Bühne, und nein: dies vermochte nicht die Illusion eines Massenaufmarsches zu erwecken. Gerne würde man die Kritik an der Inszenierung auf das Prädikat "schwach aber harmlos" reduzieren, aber sie verzichtete leider nicht darauf, ernsthaft ärgerliche Momente zu offenbaren – die sogar den sich stets in Lobhudeleien ergehenden Rezensenten der lokalen Zeitungen sauer aufstiessen. "Auch ich war ein Jüngling im lockigen Haar" ist Verklärung der Vergangenheit in Reinkultur. Da die Figur des Waffenschmieds Stadinger zumindest teilweise eine lächerliche ist, hätte man den naiv nostalgischen Text hier wunderbar ironisch brechen können. Was aber tut Lachnitt? – Er löst die Figur Stadinger aus seinem Opernkontext und lässt sie die letzten Strophen im Spotlight vor dem Vorhang vortragen. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, als biedere sich hier ein "Wessi" bei seinem Publikum an, in dem er unterstellt, es wolle in "Ostalgie" baden. Dass dies in der zeitlichen Nachbarschaft zu den Festlichkeiten des 20. Jahrestages des Mauerfalls bei Journalisten leichtes Stirnrunzeln hervorrufen kann, ist nur zu verständlich.

In der musikalischen Leitung verhielt sich der Radebeuler Waffenschmied bedauerlicherweise kongenial zur Inszenierung. Man kann Lortzings Oper viele Schwächen vorwerfen, aber schwungvoll ist seine Musik allemal – wenn der GMD der Landesbühnen Sachsen Michele Carulli nicht beinahe alle Nummern in halben Tempi serviert hätte. Aus der kecken Arie der Marie "Wir armen, armen Mädchen" wurde zum Beispiel ein melodramatisches Lamento, das wohl parodistisch gemeint war, aber eher langweilte. Dirigent und Orchester machten insgesamt einen lustlosen Eindruck, auch die Sorgfalt der Bläser (die gut sein können) liess zu wünschen übrig.

Angesichts der doppelten Zumutung von Regie und musikalischer Leitung überraschte die Qualität einiger der Sänger positiv. Interessiert man sich für die Inszenierungen der Landesbühnen Sachsen, sollte man unbedingt beide Premieren sehen, denn des öfteren stehen bei der Besetzung der Erstpremiere lokalpatriotische Kriterien im Vordergrund, während die Zweitpremiere unter gesanglichen Aspekten die bessere sein kann. Auch im Waffenschmied war dieses Phänomen, vor allem beim Heldenpaar, wieder zu beobachten. So überzeugte der Neuzugang bei den Sopranistinnen, Linda Heins, mit einer noch kleinen aber besonders in den Höhen schönen und klaren Stimme sowie ihrem natürlichem Spiel als Marie; der finnische Bariton Jussi Järvenpää – schön öfter sehr positiv aufgefallen an diesem kleinen Musiktheater – sang und spielte den Grafen Liebenau souverän und mit komischem Talent. Diesen Mitgliedern der "B-Besetzung" konnten die Pendants der Erstpremiere nicht das Wasser reichen. Christina Elbe meisterte ihre Partie zwar sehr ordentlich; leichte Unsauberkeiten in der Höhenlage sowie ihr Hang zum Überspielen wirken jedoch zuweilen störend. Fred Bonitz, sehr überzeugend im Darstellerischen, bewältigte die Partie nur hinreichend. Ähnliches lässt sich auch von der Figur des Knappen Georg sagen: hier war Falk Hoffmann aus der Zweitpremiere der stimmlich überlegene, während Andreas Petzolds Charaktertenor mit seinem schnarrenden Timbre zuweilen die Zuhörer strapazierte.

Hagen Erkrath in beiden Premieren in der Titelpartie zu sehen, gab ein erfreuliches Debut an den Landesbühnen Sachsen und dem Haus einen Bass von einer Qualität, die es dringend benötigt. Michael König als Ritter Adelhof wurde dort eingesetzt, wo er seine eindeutigen Stärken zeigen kann: als Schauspieler; und die Sängerinnen der Irmentraut Sandra Maxheimer und Silke Richter waren ihren Rollen mehr als gewachsen. Hier verhinderte leider die Inszenierung das genüssliche Ausspielen der Rollenkomik.

So wurde trotz geeigneten Ensembles die Chance vertan, dem Publikum eine weniger bekannte, aber sympathische Oper neu zu präsentieren. Auf diese Weise lohnen sich Ausgrabungen nicht.

Produktionsteam

Komponist
Musikalische Leitung
Inszenierung
Ausstattung

Mitwirkende

Hans Stadinger, Waffenscmied
Hans Stadinger, Waffenscmied
Marie, seine Tochter
Marie, seine Tochter
Graf von Liebenau
Graf von Liebenau
Georg, sein Knappe
Georg, sein Knappe
Adelhof aus Schwaben, Ritter
Irmentraut, Maries Erzieherin
Irmentraut, Maries Erzieherin
Brenner, Gastwirt
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Webseite

Event-URL: www.dresden-theater.de/inet/seiten/mitte ...  (25.08.2009)
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