DER MENSCHENFEIND

Premiere

Datum:
26.03.2010 
Institution:

Theater Plauen-Zwickau
Location:
Gewandhaus Zwickau
Ort:
Zwickau
 (Sachsen)
, Deutschland
Teilevent:
Theater Plauen-Zwickau - DER MENSCHENFEIND
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Beschreibung Kritiken Produktionsteam Mitwirkende

Beschreibung

Komödie

„Die Menschen sind schlecht, ich halt es hier nicht länger aus.“ Unnachgiebig und erbittert klagt Alceste die gesellschaftlichen Kreise, deren angesehenes Mitglied er ist, der Verlogenheit und Heuchelei an. Im gegenseitigen Umgang fordert er absolute Ehrlichkeit, ohne Ausnahme und bis über die Schmerzgrenze hinaus. Er selbst geht als leuchtendes Beispiel der von ihm propagierten Lebensweise voran und macht sich unbeliebt: Der am Königshofe gern gelittene Edelmann und Möchtegerndichter Oronte bittet ihn um ein Urteil über sein neuestes Sonett. Alcestes treuer Freund Philinte lobt den Text, beschwichtigt den Befragten und versucht das Schlimmste zu verhindern, doch Alceste antwortet schonungslos mit einem radikalen Verriss. Oronte, zutiefst beleidigt, bringt den Fall vor Gericht. Als Alceste den Prozess verliert, drohen ihm Haft, Geldstrafe, Verlust des Vermögens und Verbannung. Doch das ist ihm egal. Sofort verließe er diese Welt der falschen Eitelkeiten, nur eine Frau lässt ihn bleiben: Ausgerechnet die junge Witwe Célimène liebt er leidenschaftlich, eine Virtuosin der Lügen, deren größtes Vergnügen in gesellschaftlichen Ränkespielen und Koketterien mit ihren zahlreichen Verehrern besteht. Aber auch sie behandelt Alceste streng. Er verlangt von ihr, dass sie eine eindeutige Wahl treffen und die anderen Verehrer Oronte, Clitandre und Acaste rigoros abblitzen lassen soll, wenn ihr etwas an seiner Liebe liegt. Als Célimène schließlich Opfer einer Verleumdungsintrige wird, hält Alceste als einziger zu ihr und versucht sie zu einem gemeinsamen Leben fern des Hofes zu überreden. Aber Célimène bringt es nicht über sich, der heiteren leichtlebigen Gesellschaft zu entsagen und so geht Alceste allein, seinem Entschluss treu bleibend, in die Einsamkeit.

Kritiken

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Kritik von Laura N. Junghanns

Der Menschenfeind


„dieses üble Tauschgeschäft / Mit falscher Freundschaft muß gegeißelt werden. / Mensch soll man sein und wenn man sich begegnet / Den tiefsten Grund der Seele offenbaren. / Nur sie soll sprechen, und Gefühle sollen / Sich nie verstecken hinter leeren Floskeln.“

Alceste (1. Aufzug, 1. Auftritt)


Alceste verlangt Ehrlichkeit - in einer Gesellschaft, in der das kunstvolle Doppelspiel mit der menschlichen Beziehung zum guten Ton gehört.

Das Werke „Der Menschenfeind“ konfrontiert den Zuschauer dabei mit dessen dogmatischen Grundsätzen: nieder mit der Heuchelei, der Koketterie, den Lügen.


Um uns den Einstieg in das Werk zu erleichtern, fügt Harald Demmer in seiner Inszenierung am Theater Plauen-Zwickau eine Art kleines Vorspiel ein. Alceste, zunächst noch getarnt als gewöhnlicher Zuschauer, besteht auf einen bestimmten Platz im Parkett, welcher jedoch bereits belegt ist. An diese Prinzipientreue und das Verlangen nach Recht schließt sich letztlich nahtlos der erste Aufzug Molières sprachgewaltigen Werkes an.


Trotz dem Alcestes Umfeld ihn in seinen Idealen zu besänftigen versucht, indem die unrühmlichen Eigenschaften der Menschen hinter der Begrifflichkeit der „menschlichen Natur“ beschönigt werden, scheut dieser keine Gelegenheit seine Wut zu äußern.

Ein Kampf - Don Quijotes gleich - macht sich auf der Bühne breit und wurzelt in vielen Situationen in tief humanistischem Grundempfinden.


Der Ruf nach der Moral und der Tugend wird laut.


Die Aufdeckung der Doppelmoral und das Spiel mit Halbwahrheiten, Vorurteilen und Gerüchten drängt sich in Demmers Inszenierung dem Publikum gerade zu auf. Vorallem das hämische Lachen der Marquise über das Unglück Anderer ist es wohl, welches für den Zuschauer als bittersüße Provokation gegenüber den Moralvorstellungen des korrekten und respektvollen Miteinander steht. Das Lachen über das Verhalten Anderer als amüsantes Schauspiel und moralisch unkorrekten Handeln stellt somit nicht nur die Rollen auf der Bühne auf die Probe, sondern auch das Publikum selbst. Dieses nahm die Probe am Theater Plauen-Zwickau gerne an, lies sich provozieren und schließlich zum munteren Einstimmen in das Gelächter über die geschilderten - teils absurden, teils alltäglichen - Situationen des Miteinanders der Menschen verleiten.


Dieser in Gelächter verhallende Ruf der Moral, der keineswegs eine veraltete Gepflogenheit der Vergangenheit ist, ist es denn wohl auch, welcher Oliver Kostecka dazu inspirierte das Geschehen, welches bereits 1666 uraufgeführt wurde, in der heutigen Zeit zu verankern. Die Bühne, ein großer von Stufen unterteilter Holzaufbau, verziert mit Teppich und einer Minibar, stellen ein einladendes Bild der Wohnung Célimènes dar.

Die Stufen sind es, die sowohl auf Standes- als auch auf Meinungsunterschiede hinweisen, diese dennoch im Miteinander nicht starr festlegen. So scheinen die auf- und absteigenden Bewegungen der Rollen teils mehr ein munterer Zeitvertreib und ein Flanieren, als das Einordnen in eine bestimmte Gesellschaftsschicht.

Für Alceste, den prinzipientreuen Phlegmatiker, der in Célimène trotz kontroversen Weltanschauungen die Frau seiner Begierde sieht, scheinen diese Stufen jedoch eine unüberwindbare Barriere, welche ihn von ihr fernhalten.


Das Geschehen, geprägt durch Intrigen und Starrsinn, verliert an manchen Stellen der Inszenierung zwar seine Dynamik, doch niemals seinen Charme – denn die Sprache Molières bietet in all seinen Facetten wunderbares Kunstwerk.


L.N.J.

Produktionsteam

Webseite

Event-URL: www.theater-plauen-zwickau.com/ecdb/ecph ...  (19.02.2010)
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