Ach, warum bin ich Kaiser, warum liebe ich?
Nach fünf Jahren gemeinsamen Lebens, fordert Titus, der nach dem Tod seines Vaters Vespasian Römischer Kaiser geworden ist, Bérénice, Königin von Palästina auf, Rom und ihn zu verlassen. Der Syrer Antiochus, König von Komagene, selbst in Bérénice verliebt und seit fünf Jahren nicht erhört,vom mächtigen Freund Titus als Nebenbuhler nicht einmal wahrgenommen, muss Bérénice
die Nachricht von dessen Liebesverzicht übermitteln. Es
entspinnt sich der Konflikt zwischen den Liebenden, Fragen bedrängen die Gewissen der Figuren: Warum kann ein Römischer Kaiser keine ausländische Königin heiraten? Wird Bérénice ohne Titus weiterleben können? Wie mit dem Vakuum einer unerfüllten Liebe leben? Der Akt des auf den Anderen Verzichtens erschüttert: In ihm spiegeln
sich all jene Verzichte, die einem menschlichen Leben aufgezwungen sind.
Racine lässt sein Stück in einem Raum zwischen dem Gemach des Titus und dem Gemach der Bérénice
spielen. Es geht also um KOMMEN und GEHEN, im wahrsten Sinne des Wortes, um die Wahrheit
zwischen den Liebenden und gleichzeitig um die Lüge zwischen den Liebenden. Ein Stück der Leidenschaften,
eine klassische Tragödie, jedoch stirbt hier keiner: Kein Tod, keine Gewalt, kein vergossenes Blut, nur Tränen ? Es ist das Gefühl, das stirbt. Ein Kampf mit Worten, auf dem Schlachtfeld der Gefühle, der nichts als eine stetig wachsende Wüste in den Herzen übrig lässt. (Claudia Meyer)
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