"Die Insel war Naxos. Man sagte, einige Zeit, nachdem wir Ariadne dort ausgesetzt hatten, habe Dionysos sie dort aufgesucht und sie geheiratet, was vielleicht bedeutet, dass sie im Wein Trost fand."
André Gide: Theseus
Ein neureicher Wiener will seinen Gästen ein besonderes Event bieten und hat bei einem Komponisten ? einem "jungen Mozart", seiner Entdeckung ? eine Oper in Auftrag gegeben: Ariadne auf Naxos. Um dem Publikum das anspruchsvolle mythologische Werk mundgerecht zu servieren, sollen eine frivole Boulevardkomödie sowie ein großes Feuerwerk im Anschluss für Aufheiterung sorgen. Das Opernpersonal ist entrüstet. Doch es kommt noch schlimmer: Der Haushofmeister, die Stimme seines anonym bleibenden Herrn, überbringt den rivalisierenden Künstlertruppen die Anordnung, dass beide Stücke gleichzeitig gespielt werden sollen. Warum? Bezahlte Komödianten haben nicht zu fragen. Wer die Musik bezahlt, bestimmt auch den Takt. Basta. Ohnmächtig muss der Komponist die Zerstörung seiner Kunstideale mit ansehen: Brutal wird der Rotstift angesetzt, die Opernstars streiten sich um die besten Happen, die noch übrig geblieben sind, während die Tänzerin Zerbinetta sofort die Chance wittert, mit ihren Improvisationen die Oper auszustechen und das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Die Vorstellung beginnt, doch niemand wagt vorherzusagen, was es für eine werden wird.
Ein antiker Stoff im Stil der Barockoper, mit Elementen der Commedia dell?Arte ? das macht bis heute den besonderen Reiz von Ariadne auf Naxos aus, geschrieben von Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal für den Regisseur Max Reinhardt, als Dank für dessen Hilfe bei der Uraufführung der Oper Der Rosenkavalier. Ursprünglich wurde Ariadne auf Naxos als Nachspiel zu Molières Komödie Der Bürger als Edelmann konzipiert. Weil aber, wie Strauss selbst rückblickend schrieb, "ein Publikum, das ins Schauspielhaus geht, keine Oper hören will, und umgekehrt", mussten er und Hofmannsthal das Stück umarbeiten. Die Oper erhielt ein neues Vorspiel und erlebte 1916 in Wien ihre erfolgreiche zweite Uraufführung. Musikalisch bietet diese Version den spannenden Kontrast von intimem Kammerspiel und großer Oper, von strengem Rezitativ-Stil im Vorspiel und auskomponierten Imitationen von ernster und heiterer Oper in der fiktiven Aufführung.
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