Shaffers Amadeus greift auf Gerüchte und Spekulationen zurück, die nach Mozarts Tod bis ins 19. Jahrhundert weit verbreitet waren. Danach soll Mozart von seinem heute relativ unbekannten Zeitgenossen, dem Wiener Hofkompositeur Antonio Salieri, vergiftet worden sein.
Wenige Stunden vor seinem geplanten Selbstmord im Jahre 1823 "inszeniert" Salieri für ein imaginäres Publikum der Zukunft ein Spiel mit dem Titel Der Tod Mozarts. Durch sein Bekenntnis, Mozart vergiftet zu haben, will Salieri seinen Namen mit dem Mozarts und dessen unsterblichem Ruhm verknüpfen. Die Ereignisse zwischen 1781 und Mozarts Tod im Jahr 1791 werden aus Salieris Perspektive dargeboten und kommentiert.
Die Konfrontation Salieris mit Mozart ist im wesentlichen die Begegnung zweier grundverschiedener Künstlerpersönlichkeiten. Salieri ist der seriöse, solide arbeitende Komponist, der immer innerhalb der tradierten Normen bleibt, während Mozart, das Original-Genie, der göttlich inspirierte Erneuerer der Kunst ist. Salieri, dessen Ziel es ist, höchsten Ruhm zu erreichen, hatte in seiner Jugend einen Pakt mit Gott geschlossen, in dem er ein tugendreiches Leben gelobte, wenn Gott ihm die Gabe schenkte, die "absolute Musik" zu schreiben.
Als Salieri erkennt, dass nicht er, sondern der kindische und vulgäre Mozart "die Zauberflöte Gottes" ist und er nur dazu verurteilt ist, als einziger die wahre Qualität von Mozarts Musik zu erkennen, nimmt er sich vor, das Instrument Gottes, Amadeus Mozart zu vernichten. Er webt Intrigen, die seinen Rivalen allmählich in Armut, Krankheit und schließlich in den Tod treiben. Am Ende steht Salieris missglückter Selbstmordversuch und ein Schuldbekenntnis, das keiner glauben will. Salieri versagt in allem als ein "Patron der Mittelmäßigen"...
Peter Shaffer, geboren 1926 in Liverpool, gilt als vielseitiger und experimentierfreudiger Dramatiker, der die verschiedensten Mittel des Theaters von der boulevardnahen Komödienform bis zum episch-analytischen Enthüllungsdrama beherrscht. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Equus (1973) und Komödie im Dunkeln (1968). Sein publikumswirksamstes Stück Amadeus (1979) wurde nach seinem eigenen Drehbuch 1984 von Milos Forman erfolgreich verfilmt. In Amadeus vereint Shaffer verschiedene theatralische Elemente: episches Theater, analytisches Drama, Tragik, Komik, Musik. Eine ganze Reihe populärer Passagen aus Mozarts Werk wird zitiert und in die Handlung integriert. Aus diesen spannenden und vielschichtigen Wechselbeziehungen erhält Amadeus den Charakter eines "Gesamtkunstwerkes".
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