In italienischer Sprache
mit deutschen Übertiteln
Zur Eröffnung des neuen Opernhauses von Kairo 1869 plante Ismael Pascha, der Vizekönig von Ägypten, eine Reihe festlicher Veranstaltungen, als deren Höhepunkt die Uraufführung einer Oper von nationalem Charakter vorgesehen war. Nachdem Charles Gounod und Richard Wagner den Auftrag abgelehnt hatten, trat man an Giuseppe Verdi heran, der nach 25 Opern sein Schaffen aber bereits für abgeschlossen hielt. Die Haltung des 56-jährigen änderte sich jedoch, als er die Geschichte kennen lernte, die der französische Ägyptologe Auguste Mariette verfasst hatte:
Der ägyptische Feldherr Radamès hat die Äthiopier geschlagen. Zum Dank will ihm der Pharao seine Tochter Amneris zur Frau geben. Radamès aber liebt die äthiopische Königstochter Aida, die als Sklavin am ägyptischen Hof lebt. Diese will ihrem ebenfalls in Gefangenschaft geratenen Vater Amonasro zum Sieg verhelfen und forscht bei ihrem Geliebten den neuen Angriffsplan der Ägypter aus. Radamès wird so zum Verräter an seinem Vaterland, seiner Ehre und an Amneris. Zur Strafe wird er lebendig eingemauert. Aida versteckt sich in der Gruft, um sein Schicksal freiwillig zu teilen. Erst der Tod vereint die Liebenden.
In Aida zeigt sich der reife Altersstil Verdis zum ersten Mal: Das Leitmotiv gewinnt an Gewicht und das starre Schema streng geschlossener Gesangsnummern wird zur freien Abfolge von rezitativischen und ariosen Elementen aufgebrochen, die sich dem Ablauf des Dramas anpassen. In den prunkvollen Massenszenen spiegeln sich Elemente der französischen Grand Opera wieder, aber zugleich ist Aida ein intimes Kammerspiel, bei dem die psychologischen Porträts der einzelnen Gestalten mit musikalischer Feinzeichnung einfühlsam nachgebildet werden.
Die für Ende 1870 vorgesehene Premiere verzögerte sich um ein volles Jahr, da es wegen des Deutsch-Französischen Krieges unmöglich war, die in Paris angefertigten Kostüme und Bühnenbilder nach Ägypten zu transportieren. Die Uraufführung fand schließlich am 24. Dezember 1871 in Kairo statt. Sie wurde, wie auch die Erstaufführung an der Mailänder Scala wenige Wochen später, zu einem triumphalen Erfolg, der Aida bis heute treu geblieben ist.
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